Die Audiokassette

In der Hörspielwelt ist die Kassette, kurz: MC für MusiCassette oder CC für Compact Cassette, wohl immer noch bei Sammlern das beliebteste Medium. Das ist Grund genug, die Geschichte und einige Hintergründe der Kassette zu durchleuchten.

Wichtige Daten zur Entwicklung der Kassette

1935: Entwicklung des Tonbandgeräts “Magnetophon” von “AEG”

  • Teuer, kompliziert in der Bedienung
  • eher für professionelle als für private Nutzung gedacht

1950-1959: Der Markt für Privatleute wird breiter

  • Das Tonband kommt zunehmend in Mode
  • Ende der 50er Jahre erfolgen erste Versuche, das Tonband kompakter zu machen
  • 1958/59 stellt die “Radio Corporation of America” eine Tonbandkassette mit einem 6,3 mm breiten Tonband vor, welche sich aber nicht durchsetzen konnte

1959: Die “Protona GmbH” aus Hannover (später “Telefunken”) stellt die Minifon-Kassette vor

  • Ungefähr so groß wie die heutige MC
  • Angedacht für Diktiergeräte
  • 1961 bringt eine technische Verbesserung den HiFi-Ton
  • Einstellung der Produktion in den 60er Jahren

1961: “Philips” beginnt zusammen mit “Grundig” eine Einlochkassette für den Hausgebrauch zu entwickeln

  • Das Tonband wurde auf 3,8 mm verengt
  • “Lou Ottens” (“Philips”) ist neben dem Klang auch das Design wichtig und lässt sich zur Anschauung ein Holzstück anfertigen, das in seine Jackentasche passen sollte
  • Dies wird als Geburt der Kompaktkassette beschrieben

1960-69: Die Zweilochkassette kommt auf den Markt

  • “Philips” entschied sich, trotz einiger bereits für die Einlochkassette entwickelten Geräte, für die Zweilochkassette
  • Da Max Grundig sich zu spät informiert wähnte, schuf seine Firma das Konkurrenzsystem “DC-International”, welches sich aber nicht durchsetzen konnte
  • Jan Schoenmakers konstruierte die Urkassette und hatte die Idee zur Verriegelung der Kassette während der Widergabe
  • Peter van der Sluis entwickelte den dazugehörigen Kassettenrekorder
  • Herman Cornelius Lalesse hatte die Idee zur Aufteilung der inzwischen 1,5 mm breiten Tonspur in den Stereo-Sound
  • 28.8.1963 stellte “Philips” die Kompaktkassette und den Kassettenrekorder “Philips EL 3300” vor
  • 1968 wird die Dolby-B-Rauschunterdrückung eingeführt

1970-79: Der internationale Markt entdeckt die Kassette

  • Zahlreiche japanische Firmen beginnen, die Kassette zu kopieren
  • “Lou Ottens” verhandelt mit Norio Ohga (“Sony”) über die Lizenzen und überlässt sie ihm am Ende kostenlos, Grund: man bekäme die Lizenzen von “DC-International” sowieso kostenlos
  • Die Kassette wird international standardisiert
  • Weltweit werden Kassetten produziert
  • Die Klangqualität wird zunehmend besser, aufgrund der Einführung der Chromdioxid-Bänder und der späteren Reineisenbeschichtung neben den ebenfalls stetigen Fortschritten bei den Eisenoxid-Bändern
  • Ende der 70er wurde begonnen, die Kassette auch als Datenträger zu nutzen (Datasette, bekannt z.B. vom “Commodore 64”)

Durch die einfache Bedienung von Kassette und Kassettenrekorder sowie den verhältnismäßig niedrigen Preisen im Vergleich zu den früheren Tonbandgeräten wurde dieses System sehr schnell zu einem beliebten Medium in den meisten Haushalten. Dies zog einen wirtschaftlich sehr großen Erfolg nach sich.

Ein weiterer Meilenstein war die Erfindung des Walkmans von “Sony”, der 1979 auf den Markt kam und gerade bei Jugendlichen zu einer Art Statussymbol wurde. Dies hielt bis ins nächste Jahrtausend an, als neue digitale Technologien neben der bereits etablierten CD den Markt eroberten.
Nach der Insolvenz von “EMTEC Magnetics” (“BASF”) 2003 wurde die Produktion von Tonbändern und Leerkassetten in Deutschland eingestellt.
Aktuell werden noch in einigen Teilen Asiens und Afrika sowie in Firmen in den USA Bänder für Konfektionierer hergestellt. Das sind Firmen, die die Tonbänder bespielen. Die letzte verbliebene Firma in Deutschland war „Optimal Media” in Mecklenburg-Vorpommern, die bis zu ihrer Auflösung 2015 auch die MCs für “Die drei ???” produzierte. Trotzdem werden seit einigen Jahren im Independent-Bereich der Musik wieder zunehmend Tapes zur Verbreitung genutzt. Dies ist vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer für ein ähnliches Comeback wie derzeit bei der Produktion von LPs.

Aufgrund des Rückgangs der Produktion von Tonbändern stellten, bis auf die Label “EUROPA” und “Kiddinx” (früher “Kiosk”), alle namenhaften Hörspielproduzenten die Herstellung von Hörspielkassetten ein.
Die letzten noch heute auf MC erscheinenden Serien sind “Die drei ???” (“EUROPA”) sowie “Benjamin Blümchen”, “Bibi Blocksberg” und “Bibi und Tina” (“Kiddinx”). Diese Serien finden noch einen verhältnismäßig großen Absatz bei Sammlern, der jedoch weit hinter den Verkaufszahlen bis zu den 90er Jahren zurücksteht.

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