„Edgar Allan Poe“

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Den ersten Beitrag unserer Thementage möchte ich einer Produktion widmen, die mir immer, und vielleicht auch euch, sofort einfällt, wenn es um Hörspielserien mit offener Handlung geht: „Edgar Allan Poe“.

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Die von Hörspiel- und Romanautor Moritz Wulf Lange unter dem Pseudonym Melchior Hala geschriebene Serie startete im November 2003. Auftraggeber war das Hörbuch- und Hörspiellabel „Lübbe Audio“.
Produziert wurde die Serie aber vom bekannten Hörspielstudio „Stil“ aus Berlin, das ihr vielleicht auch durch Serien wie z.B. „Prof. Sigmund Freud“ und „Perry Rhodan Sternenozean“ kennt. Regie führten Simon Bertling und Christian Hagitte. Sie zeichneten  ebenfalls für die Hörspielmusik der Serie verantwortlich.
Die Cover erschuf Fotograf und Poe-Experte Simon Marsden.

Der Hauptcharakter der Serie ist ein in einem Irrenasyl lebender Mann ohne Gedächtnis. Letztendlich kann ihm dort niemand mehr helfen. So wird er entlassen, nimmt im Laufe der Geschichte den Namen des Schriftstellers Edgar Allan Poe an und macht sich auf die Suche nach seiner wahren Identität.
Mit seinem behandelnden Arzt Dr. Templeton bleibt der Mann aber weiterhin in Briefkontakt.
Immer wieder quälen ihn schreckliche, auf den Erzählungen des Schriftstellers Edgar Allan Poe basierende, Alpträume.

Für mich liegt die Besonderheit der Serie eindeutig in ihrer hervorragenden düsteren und oft melancholischen Atmosphäre, die ich so bis heute kaum in einer anderen Produktion gehört habe. Der zweite Pluspunkt ist die Sprecherauswahl.
Ulrich Pleitgen und Iris Berben brillieren in den Hauptrollen des Edgar Allan Poe und der Leonie Goron (später auch Leonie Sander) und zeigen ihr ganzes schauspielerisches Können.
Aber auch der restliche Sprechercast ist mit bekannten Hörspielstimmen wie z.B. Till Hagen, Peter Groeger und Manfred Lehmann hochkarätig besetzt.

Eine komplette Übersicht aller Folgen von „Edgar Allan Poe” findet ihr hier.

Auch der Soundtrack gleicht einem Meisterwerk, denn er wurde von einem kompletten, wirklichen Orchester, dem „Filmorchester Berlin“, eingespielt.
Aber damit nicht genug: Jede der neun Staffeln, die aus vier Hörspielfolgen bestand, hatte zusätzlich einen eigenen Titelsong.

So könnt ihr folgende Titel hören:

  • Heinz Rudolf Kunze: „Der weisse Rabe“ (Staffel 1, Folge 1-4)
  • Orange Blue: „I’ve foreseen“ this day (Staffel 2, Folge 5-8)
  • L’Ame Immortelle: „5 Jahre“ (Staffel 3, Folge 9-13)
  • We: „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit““ (Staffel 4, Folge 14-17)
  • Mara Kim: „A dream within a dream“ (Staffel 5, Folge 18-21)
  • Edgar Allan’s Project: „Ich bin nicht wahnsinnig“ (Staffel 6, Folge 22-25)
  • Christopher Lee: „Elenore“ (EAP Mix) (Staffel 7, Folge 26-29)
  • Elane – „Nen ar tasar (You see)“ (Staffel 8, Folge 30-33)
  • Katharina Frank: „Ligeia“ (Staffel 9, Folge 34-37)

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Außerdem erschien mit „Visionen eine Doppel-CD, auf der die Songs teilweise ebenfalls zu hören sind. Weiterhin lesen Schauspielerinnen und Schauspieler wie z.B. Iris Berben, Anna Thalbach, Kai Wiesinger oder Jan Josef Liefers Texte von Edgar Alan Poe.

Für das jeweilige Intro der Folgen konnte man in der englischen Fassung Christopher Lee und im Deutschen den bekannten Rockmusiker Heinz Rudolf Kunze gewinnen.

Die Serie wurde 2004 mit dem „Deutschen Phantastik Preis“ ausgezeichnet und war außerdem für den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie „Beste verlegerische Leistung“ nominiert.

Im März 2010 wurde „Edgar Allan Poe“ jedoch, unter großer Trauer der Fans der Serie, mit einer offenen Handlung eingestellt. Grund waren laut „Lübbe Audio“ die niedrigen Absatzzahlen, die wohl auch aus der fleißigen, illegalen Downloadverbreitung resultierten.
Die noch vorrätigen CDs wurden zu Tiefstpreisen z.B. auf Messen wie der „Hörspiel-Arena“ angeboten und sind auch bis heute teilweise in Ein-Euro-Shops zu finden.
Die Serie war ansonsten ab diesem Zeitpunkt nur noch digital erhältlich.

Die Fans von „Edgar Allan Poe” hofften trotzdem über die Jahre auf eine Fortsetzung der Serie, die aber mit dem traurigen Tod von Ulrich Pleitgen am 21. Februar 2018 nun wohl endgültig noch unwahrscheinlicher wird.

Was aber bleibt, ist für mich eine einzigartige Hörspielserie, die ich mir jährlich einmal anhöre und sie dabei jedes Mal anders erlebe.

Wenn ihr nun noch mehr über die Produktion von „Edgar Allan Poe“ erfahren wollt, lege ich euch das Interview, das ich mit Simon Bertling von „Stil“ führte, ans Herz.
Ihr könnt es in unserer Podcastfolge 87 hören.

Wer von euch, trotz der offenen Handlung, neugierig auf „Edgar Allan Poe“ geworden ist, dem empfehle ich die am 28. September erscheinende Mp3-Box.
Sie beinhaltet die Folgen 1-12 der Serie auf zwei CDs.

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2 thoughts on “„Edgar Allan Poe“”

  1. Vielen Dank, Flori, für die großartige Retrospektive. Vielleicht bewegt sie ja den ein oder die andere dazu, sich die Serie – sofern noch unbekannt – doch einmal zu Gemüte (und Gehör) zu führen.

    Wie Du bereits ausgeführt hast, war auch für diese sublim gesponnene, schauerliche Atmosphäre das kennzeichnende Merkmal der Hörspiele. So gilt mein großer Dank allen Beteiligten, den Dramaturgen, MusikerInnen und SprecherInnen, allen voran Iris, Ulrich und Till. Bei Letzterem war es übrigens eine ganz schöne Überraschung, ihn mal in so einer scharfzünnigen Rolle zu hören, wenn man ihn bis dato – wie ich – nur als umsorgenden Wärter Karl aus den Benjamin Blümchen-Folgen kannte. Erfreulich waren natürlich auch die kleinen Cameo-Auftritte von Franziska Pigulla und Peter Groeger.

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